Glossar

Die wichtigsten Begriffe der a*sexuellen und a*romantischen Community

A

  • Absolute Beginner: Bezeichnung für Menschen, die trotz fortgeschrittenen Alters (25+) noch völlig unerfahren in Sachen Partnerschaft und Sex sind – das heißt, in ihrem gesamten bisherigen Leben weder das Eine noch das Andere hatten.
  • Ace: Abkürzung für das englische asexual (ebenso wie im Deutschen Ass für asexuell bzw. Asexuelle*r steht).
  • Ästhetische Anziehung: Empfinden einer anderen Person als optisch attraktiv. Kann, aber muss nicht mit romantischer und/oder sexueller Anziehung auftreten.
  • Allo Allies: Bezeichnung für Menschen, die sich selbst zwar nicht im a*sexuellen und/oder a*romantischen Spektrum verorten, a*sexuellen und a*romantischen Menschen jedoch unterstützend gegenüber stehen.
  • Allonormativität/Allosexismus: Weltanschauung, die Allosexualität über Asexualität stellt (Bsp.: „Nur Allosexuelle und Alloromantiker*innen sind normal und alle Menschen müssen allosexuell und/oder alloromantisch sein“) und asexuelle sowie aromantische Menschen ausgrenzt.
  • Alloromantisch: Bezeichnung für Menschen, die sich von anderen Menschen und/oder nicht-menschlichen Objekten romantisch angezogen fühlen – also für Menschen, die nicht aromantisch sind.
  • Allosexuell: Bezeichnung für Menschen, die sich von anderen Menschen und/oder nicht-menschlichen Objekten sexuell angezogen fühlen – also für Menschen, die nicht asexuell sind.
  • Amatonormativität: Weltanschauung, dass romantische Beziehungen ausnahmslos besser oder wichtiger als andere Beziehungsformen (etwa Freundschaften) sind. Problem besonders für aromantische Menschen.
  • Androromantisch: Bezeichnung für Menschen, die sich romantisch von Männern bzw. Personen, die maskulin in Erscheinung treten, angezogen fühlen.
  • Aro: Abkürzung für aromantisch.
  • Aromantisch: Bezeichnung für Menschen, die sich romantisch zu keinem der Geschlechter, zu nichts und niemandem hingezogen fühlen. Romantische Anziehung also nicht wahrnehmen. Gegenteil von alloromantisch.
  • Arrow: Weitere Abkürzung für aromantisch. In der Regel englisch ausgesprochen.

 

  • A*romantisch: Bezeichnung für Menschen, die nur wenig oder gar kein Verlangen nach romantischen Beziehungen empfinden, wenige oder nur situationsbedingte romantische Anziehung wahrnehmen oder anderweitig dem a*romantischen Spektrum zugehörig sind.
  • A*romantische Community: Gruppierung aller Menschen, die dem a*romantischen Spektrum zugehörig sind oder sich mit den Personen aus diesem Spektrum solidarisieren.
  • A*romantisches Spektrum: Sammelbegriff für romantische Orientierungen/ Identitäten, bei denen romantische Anziehung, romantisches Verlangen und/oder das Verlangen nach romantischen Beziehungen nur sporadisch, situationsbedingt oder gar nicht auftritt. A*romantische Orientierungen/Identitäten sind beispielsweise Aromantik, Grayromantik, Demiromantik und Lithoromantik. Die Schreibweisen A*romantik oder auch A_romantik sollen das gesamt Spektrum sichtbar machen.
  • Asexuell: Bezeichnung für Menschen, die sich sexuell zu keinem der Geschlechter, zu nichts und niemandem hingezogen fühlen. Sexuelle Anziehung also nicht wahrnehmen. Grundsätzlich können asexuelle Menschen sexuell trotzdem aktiv sein – von Person zu Person ist das unterschiedlich. Gegenteil von allosexuell.
  • Asexy: Weitere Bezeichnung für einen asexuellen Menschen und für etwas, das toll oder interessant ist. (Persönlich benutze ich dieses Wort aber nicht, weil ich es lächerlich finde.)
  • A*sexuell: Bezeichnung für Menschen, die nur wenig oder gar kein Verlangen nach sexuellen Interaktionen empfinden, wenige oder nur situationsbedingte sexuelle Anziehung wahrnehmen oder anderweitig dem a*sexuellen Spektrum zugehörig sind.
  • A*sexuelle Community: Gruppierung aller Menschen, die dem a*sexuellen Spektrum zugehörig sind oder sich mit den Personen aus diesem Spektrum solidarisieren.
  • A*sexuelles Spektrum: Sammelbegriff für sexuelle Orientierungen/Identitäten, bei denen sexuelle Anziehung, sexuelles Verlangen und/oder das Verlangen nach sexuellen Interaktionen nur sporadisch, situationsbedingt oder gar nicht auftritt. A*sexuelle Orientierungen/Identitäten sind beispielsweise Asexualität, Graysexualität, Demisexualität und Lithosexualität. Die Schreibweisen A*sexualität oder auch A_sexualität sollen das gesamt Spektrum sichtbar machen.
  • Autoromantisch: Bezeichnung für Menschen, die sich romantisch nur von sich selbst angezogen fühlen. Eine Person verliebt sich also nur in sich selbst.
  • Autosexuell: Bezeichnung für Menschen, die sich sexuell nur von sich selbst angezogen fühlen und entsprechend auch Sexualität nur mit sich selbst praktizieren. ACHTUNG: Autosexualität ist nicht gleichbedeutend mit Selbstbefriedigung!

B

  • Beziehungsanarchie: Weltanschauung, dass keine Form einer engen Beziehung wichtiger als andere ist, obwohl die Gesellschaftsmehrheit dies möglicherweise anders sieht. Gegenteil zur Amatonormativität.
  • Biromantisch: Bezeichnung für Menschen, die sich von zwei (in der Regel den beiden biologischen) Geschlechtern romantisch angezogen fühlen. Für die bei der Partnersuche das körperliche/optische Geschlecht also kein Kriterium ist.

D

  • Demiromantisch: Bezeichnung für Menschen, die romantische Anziehung erst dann empfinden können, wenn sie zu anderen Personen eine tiefe emotionale Bindung (etwa eine enge Freundschaft) aufgebaut haben. Besteht eine solche Bindung derzeit nicht, leben Demiromantiker*innen aromantisch.
  • Demisexuell: Bezeichnung für Menschen, die sexuelle Anziehung erst dann empfinden können, wenn sie zu anderen Personen eine tiefe emotionale Bindung aufgebaut haben. Das heißt beispielsweise, erst innerhalb einer romantischen Partnerschaft ist sexuelle Anziehung möglich, sie kann aber auch ausbleiben. Besteht eine solche Bindung derzeit nicht, können Demisexuelle asexuell leben.

F

  • Frayromantisch: Bezeichnung für Menschen, bei denen sich romantische Anziehung nach näherer Bekanntschaft verflüchtigt. Gegenteil von demiromantisch.
  • Fraysexuell: Bezeichnung für Menschen, bei denen sich sexuelle Anziehung nach näherer Bekanntschaft verflüchtigt. Gegenteil von demisexuell.

G

  • Gray-A (auch gray-ace oder grace): Abkürzung für gray-asexual.
  • Grayromantisch: Bezeichnung für Menschen, die sich in einer Grauzone zwischen A- und Alloromantik befinden und romantische Anziehung nur selten, sporadisch oder schwach empfinden.
  • Graysexuell (auch gray-asexuell, engl. gray-asexual): Bezeichnung für Menschen, die sich in einer Grauzone zwischen A- und Allosexualität befinden und sexuelle Anziehung nur selten, sporadisch oder schwach empfinden.
  • Gynoromantisch: Bezeichnung für Menschen, die sich romantisch von Frauen bzw. Personen, die feminin in Erscheinung treten, angezogen fühlen.

H

  • Heteroromantisch: Bezeichnung für Menschen, die sich romantisch von einem anderen als dem eigenen Geschlecht angezogen fühlen, in der Regel vom anderen biologischen Geschlecht.
  • Heteronormativität/Heterosexismus: Weltanschauung, dass alle Menschen dem Standard entsprechend cis-geschlechtlich, heteroromantisch und heterosexuell sein sollen sowie nur dieser Standard legitim, normal, natürlich oder Ähnliches sei. Problem für alle LSBTIQ*, auch für Asexuelle.
  • Homoromantisch: Bezeichnung für Menschen, die sich romantisch vom eigenen Geschlecht angezogen fühlen.

K

  • Kinsey-Skala: Veraltetes Erklärungsmodell für die unterschiedlichen sexuellen Orientierungen, das vom Sexualforscher Alfred Kinsey entworfen wurde. Die menschliche Sexualität wird damit als Linie dargestellt, an deren Enden sich jeweils klar heterosexuell und klar homosexuell befinden. Bisexualität steht darin in der Mitte. Asexuelle Menschen wurden später als Gruppe X neben dieser Linie in die Skala aufgenommen.

L

  • Label: Explizite Benennung der eigenen sexuellen und/oder geschlechtlichen Identität. Beispiele für Labels sind etwa lesbisch, schwul, bi, pan, ace, trans* und so weiter.
  • Lesbisch: Bezeichnung für Frauen, die sich romantisch und/oder sexuell von anderen Frauen bzw. Personen, die feminin in Erscheinung treten, angezogen fühlen.
  • Libido: Sexualtrieb, der das sexuelle Verlangen steuert und von Mensch zu Mensch unterschiedlich stark ausgeprägt sein kann. Auch asexuelle Menschen können eine Libido haben und Selbstbefriedigung betreiben, obwohl sie sich von anderen Personen sexuell nicht angezogen fühlen.
  • Lithoromantisch: Bezeichnung für Menschen, die romantische Anziehung zwar empfinden, jedoch keine Erwiderung ihrer Gefühle anstreben und entsprechend an Liebesbekundungen nicht interessiert sind.
  • Lithosexuell: Bezeichnung für Menschen, die sexuelle Anziehung zwar empfinden, jedoch selbst sexuell nicht begehrt werden möchten und/oder kein Verlangen danach haben, mit anderen Personen tatsächlich auch sexuell intim zu werden.

P

  • Panromantisch: Bezeichnung für Menschen, die sich romantisch von anderen Menschen unabhängig ihres Geschlechts oder ihrer Geschlechtsidentität (Gender) angezogen fühlen können.
  • Pathologisierung: Weltanschauung, die ein Phänomen als therapiebedürftige Krankheit oder Störung einstuft. Asexualität wird oftmals pathologisiert.
  • Platonische Anziehung: Anziehungsform auf nicht-romantischer und nicht-sexueller Ebene (beispielsweise gegenüber Eltern, Geschwistern und Freunden).
  • Primäre Anziehung: Anziehung, die sofort bzw. bei der ersten Begegnung empfunden wird. Beispiele für primäre Anziehung sind die so genannte „Liebe auf den ersten Blick“ oder das Auffallen einer fremden Person im sexuellen Sinn, etwa als „sexy“ oder „heiß“.
  • Purple-Red-Skala: Erklärungsmodell, welches die Anziehung in zwei Formen unterteilt: von welchen Personen sich jemand angezogen fühlt und wie sich jemand von ihnen angezogen fühlt. Das Modell soll die menschliche Sexualität in ihrer Diversität leichter veranschaulichen und die veraltete Kinsey-Skala ersetzen, welche für diese Vielfalt erheblich weniger Raum zulässt.

Q

  • Queer: Ursprünglich ein abwertender Begriff. Allgemeines Label für Menschen, die nicht heterosexuell/-romantisch und/oder nicht cis-geschlechtlich sind bzw. sich selbst anderweitig als queer verorten. Viele a*sexuelle Menschen sehen sich als queer.
  • Queerplatonisch: Platonische Beziehungen (z. B. Freundschaften), die nicht romantisch sind, jedoch über das für platonische Beziehungen geläufige Maß hinausgehen (siehe etwa Freundschaft plus).

R

  • Romantische Anziehung: Empfinden von Liebesgefühlen für eine andere Person; Wunsch, mit dieser Person eine Liebesbeziehung, eine romantische Partnerschaft einzugehen. Kann unabhängig von sexueller Anziehung oder ohne diese wahrgenommen werden. Für viele aromantische Menschen kaum nachzuvollziehen.
  • Romantische Orientierung: Beschreibt, von welchen Menschen bzw. welchem Geschlecht oder welchen Geschlechtern sich eine Person romantisch angezogen fühlt, in welche sie sich also verliebt. Im Falle der Aromantik kein Geschlecht, nichts und niemand.

S

  • Schwul: Bezeichnung für Männer, die sich romantisch und/oder sexuell von anderen Männern bzw. Personen, die maskulin in Erscheinung treten, angezogen fühlen.
  • Sekundäre Anziehung: Anziehung, die erst nach längerer Bekanntschaft bzw. nach Aufbau einer tiefer gehenden Bindung empfunden wird. Erklärungsmodell der Wahrnehmung demisexueller und demiromantischer Menschen.
  • Semisexuell: Bezeichnung für Menschen, bei denen sexuelle Anziehung nur phasenweise auftritt, etwa während der Pubertät, der Wechseljahre oder nach einer längeren Beziehung. Dieser Begriff wurde jedoch weitestgehend durch das gängigere Label graysexuell abgelöst.
  • Sex-averse/-repulsed („sex-ablehnend, von Sex abgeneigt/abgestoßen“): A*sexuelle, die eine Abneigung oder auch Ekel davor, sich an sexuellen Handlungen zu beteiligen, hegen. Diese Abneigung kann sich zwar auf bestimmte Sexualpraktiken begrenzen, jedoch auch so stark ausgeprägt sein, dass sogar körperliche Reaktionen wie Übelkeit auftreten können.
  • Sex-neutral/-indifferent („neutral gegenüber Sex”): A*sexuelle, die der Beteiligung an sexuellen Handlungen gleichgültig gegenüber stehen. Teils lassen sie sich innerhalb einer Liebesbeziehung für die*den Partner*in darauf ein, würden aber nie von sich selbst aus sexuell interagieren.
  • Sex-favorable („sex-begünstigend/-erwägend“): A*sexuelle, die der Beteiligung an sexuellen Handlungen bejahend gegenüber stehen. Obwohl sie innerhalb einer Liebesbeziehung sich zu ihrer*ihrem Partner*in kaum oder gar nicht sexuell hingezogen fühlen, erleben sie Freude an sexuellen Betätigungen und initiieren sie unter Umständen auch.
  • Sex-negativ: Weltanschauung, dass die Sexualität (besonders die von Frauen und nicht-heterosexuellen/-romantischen Menschen) Diktaten und Verboten unterworfen sein sollte. Sexuelle Aktivitäten außerhalb oder ohne Bestehen einer (i. d. R. heterosexuellen) Ehe werden als falsch/unmoralisch betrachtet.
  • Sex-positiv: Weltanschauung, dass Menschen so viel oder so wenig Sex jeglicher Art haben können, wie und mit wem sie möchten, solange sämtliche Handlungen einvernehmlich, aufgeklärt und sicher stattfinden.
  • Sexual compulsion (englisch für „Sexueller Zwang“): Weltanschauung, dass romantische Liebe und Sexualität untrennbar miteinander verwoben sind und eine Liebesbeziehung entsprechend erst dann vollwertig wäre, wenn auch die sexuelle Komponente vorhanden ist; dass Sex ein Grundbedürfnis ist und ausnahmslos von jedem Menschen erstrebt werde. Problem für a*sexuelle Menschen.
  • Sexuelle Anziehung: Empfinden einer anderen Person oder eines nicht-menschlichen Objektes als sexuell attraktiv; Wahrnehmung einer sexuellen Erregung, die durch eine andere Person oder ein nicht-menschliches Objekt hervorgerufen wird; Verlangen, mit einer anderen Person sexuell zu interagieren. Für viele asexuelle Menschen kaum nachzuvollziehen.
  • Sexuelle Orientierung: Beschreibt, von welchen Menschen bzw. welchem Geschlecht oder welchen Geschlechtern sich eine Person sexuell angezogen fühlt, mit welchen sie sich also sexuelle Aktivitäten vorstellen kann. Im Falle der Asexualität kein Geschlecht, nichts und niemand.
  • Sinnliche/sensuelle Anziehung (auch „körperliche Anziehung“): Verlangen nach Körperlichkeit; einer Person körperlich also nahe sein und Zärtlichkeiten austauschen zu wollen. Zu sexuellen Handlungen muss es hierbei nicht kommen.
  • Split Attraction („Aufgeteilte Anziehung“): Besagt, dass zwei oder mehrere Arten der Anziehung nicht einheitlich sind. (Beispiel: Eine Person beschreibt sich als bisexuell und homoromantisch.) Steht im Widerspruch zur gängigen Definition des Überbegriffs Sexuelle Orientierung, die sexuelle und romantische/emotionale Anziehung gleichsetzt und Übereinstimmungen als grundsätzlich verkauft, was ein Problem vor allem für asexuelle Menschen ist. Viele Asexuelle sind nicht etwa auch aromantisch, sondern split attracted.

W

  • WTF-romantisch: Bezeichnung für Menschen, die mit den Labels der romantischen Orientierung nichts anfangen können oder Schwierigkeiten haben, zwischen romantischer und platonischer Anziehung zu differenzieren.