Graysexualität

Vorsilbe gray- aus dem Englischen; deutsch: grau-

Was ist Graysexualität?

Unter dem Begriff Graysexualität (auch Gray-Sexualität, Grausexualität, Grau-Sexualität oder Gray-/Grau-Asexualität) versteht man eine sexuelle Identität, bei der eine Person sexuelle Anziehung nur selten, in sehr geringem Maße, nur in bestimmten Lebensabschnitten empfindet oder sie ist sich (noch) nicht ganz sicher, ob sie sexuelle Anziehung wahrnimmt. Graysexuelle Menschen werden abgekürzt oft als Gray-A, als Gray-Ace oder Grace bezeichnet. Sexualität bzw. Geschlechtsverkehr kann zwar als schön und angenehm empfunden werden, allerdings nicht so, dass es eine graysexuelle Person häufig und regelmäßig bräuchte. Darum wird Graysexualität dem a*sexuellen Spektrum zugerechnet, obgleich Graysexuelle – im Gegensatz zu Asexuellen – in der Lage sind, regelmäßig sexuelle Anziehung wahrzunehmen; wenn auch nur sporadisch oder in schwacher Ausprägung. Häufig werden auch Menschen, die zwar keine sexuelle Anziehung verspüren, Intimität mit sich alleine (d. h. Selbstbefriedigung) aber genießen können, als graysexuell eingestuft. Auf diese Menschen passt aber auch die Bezeichnung asexuell.

Siehe auch „Semisexualität“:

Semisexuelle sind Menschen, die nur in einigen wenigen Lebensabschnitten oder -phasen (z. B. während der Pubertät, der Wechseljahre oder in bzw. nach einer längeren Beziehung) ein Verlangen nach sexueller Interaktion wahrnehmen. Auch als Erwachsene können Semisexuelle sehr lange Zeit ohne Verlangen nach sexueller Interaktion leben. Gelegentlich wird der Begriff auch auf Menschen ausgedehnt, die zwar nicht vollständig asexuell sind, deren Verlangen nach sexueller Interaktion und/oder Libido aber nur gering ausgeprägt sind. Die Bezeichnung Semisexualität ist nur innerhalb des a*sexuellen Spektrums gebräuchlich und wurde größtenteils durch den gängigeren Sammelbegriff Graysexualität verdrängt.

Wie organisieren sich Graysexuelle?

Diejenigen, die sich als graysexuell identifizieren, neigen dazu, sich dem „asexuelleren“ Teil der Gesellschaft zuzuwenden. So geben asexuelle Online-Communities wie das Asexual Visibility and Education Network (AVEN) auch graysexuellen Menschen Raum, um ihre Orientierung bzw. Identität zu benennen und zu diskutieren. Doch auch offline etwa bei Stammtischen oder anderen Treffen asexueller Menschen sind Graysexuelle gerne gesehen.

Zwar ist bei Graysexualität konstantes Empfinden von sexueller Anziehung grundsätzlich möglich, was streng genommen eigentlich im Gegensatz zur Asexualität steht. Dies wird verdeutlicht, wenn man einen Blick auf die graysexuelle Pride-Fahne wirft: Schwarz – die Farbe der Asexualität – ist darauf nicht zu finden…

gray fahne klein

Da bei der Graysexualität asexuelle Phasen in der Regel jedoch wesentlich länger andauern als sexuelle, sind auch graysexuelle Menschen Teil des a*sexuellen Spektrums.